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Text: Marie-Charlotte Maas | Fotos: Malte Clavin
„Bevor ich mit meinen Eltern nach Sri Lanka geflogen bin, mussten meine Direktorin und meine Lehrer zustimmen. Schließlich machte ich dort keine Ferien, sondern blieb ganze fünf Monate, weil mein Vater dort als Fotograf arbeitete. Als meine Eltern mir von ihrem Plan erzählten, habe ich mich gefreut – war aber auch ein bisschen traurig. Denn ich wollte meine Freunde nicht gern verlassen. Die dachten erst, ich mache Scherze.
Die Schuldirektorin und meine Lehrer hatten zum Glück überhaupt keine Einwände. Ich sei eine gute Schülerin und lerne gerne und selbständig, sagten sie. Das bedeutete natürlich, dass ich den Stoff, den meine Klassenkameraden in der Schule durchnahmen, mit meiner Mutter bearbeiten musste. Neben unserem normalen Gepäck hatten wir darum einen separaten Rucksack mit Schulbüchern und Materialien dabei. Er war sechs Kilo schwer!
Pinnawala, Elefantenwaisenhaus: Über 60 große und kleine Dickhäuter baden jeden Tag im Fluss, ein einmaliges Spektakel für Amelie und Smilla.
Der Unterricht auf Sri Lanka war natürlich ganz anders als in Berlin. Der größte Unterschied: Mama und ich haben draußen auf dem Balkon gelernt, manchmal auch an der Poolbar. Und ich war allein, dadurch war der Unterricht viel intensiver. Darum musste ich auch nicht jeden Tag sieben Stunden lernen, sondern oft nur zwei. Meistens haben wir uns mittags zusammen hingesetzt, wenn meine kleine Schwester Smilla geschlafen hat. Sobald sie aufwachte, war der Unterricht vorüber.
Angst vor einem Tsunami
Meine Mutter und ich hatten einen Stundenplan zusammengestellt. Wir haben zusammen Deutsch, Französisch, Mathe, Geschichte und Erdkunde gemacht. Wir haben auch Diktate geschrieben, das musste ich in Berlin nie machen. Außerdem musste ich in den fünf Monaten drei Aufsätze schreiben. Die habe ich per E-Mail meinen Lehrerinnen geschickt.
Amelie beim Abstieg vom Adam‘s Peak, Sri Lanka. 4.800 Stufen geht es abwärts. Noch Tage später spüren wir unsere Knie und Waden.
Die Themen durfte ich frei wählen. Ein Aufsatz handelte von dem Tsunami, der ein paar Jahre zuvor über Sri Lanka hereingebrochen war. Dafür habe ich mit meiner Mama einen Hotelbesitzer interviewt, der während des Tsunami auf das Dach des Hotels fliehen musste und von dort gerettet wurde. An den Tsunami habe ich in den ersten Wochen auf Sri Lanka oft gedacht. Ich hatte ein bisschen Angst, dass so etwas noch mal passiert. Der andere Aufsatz drehte sich um eine Schildkrötenfarm, die ich mit meinen Eltern besucht habe.
Während wir weg waren, habe ich meinen Klassenkameraden oft Fotos geschickt, einmal haben wir auch gechattet. Die meisten waren noch nie so weit weg. Ich war das Reisen schon gewöhnt, denn vor Sri Lanka war ich mit meinen Eltern in Thailand, Kambodscha, Burma, Laos und Vietnam. Aber daran erinnere ich mich kaum, damals war ich erst vier Jahre alt.
Einheimische beim Wasserfußballspiel kurz vor Sonnenuntergang.
Und nächstes Jahr geht es dann nach Nepal
Natürlich habe ich meine Freunde zwischendurch sehr vermisst. Ich habe meinen Geburtstag nicht mit ihnen in Deutschland feiern können, das war sehr schade. Wir haben nämlich eine Tradition: An unseren Geburtstagen gehen wir immer zusammen indisch essen. Diesmal haben meine Freunde sich etwas ausgedacht: Sie waren an meinem Geburtstag gemeinsam essen und haben einen Stuhl für mich freigehalten. So, als wäre ich dabei.
Damit ich meine Klassenkameraden nicht vergesse, hat mein guter Freund Pit Fotos von allen gemacht und zu jedem noch einen kleinen Spruch geschrieben, der sie charakterisiert. Das hat er mir nach Sri Lanka gemailt. Und sie haben mir ein Foto vom ersten Schnee in Deutschland geschickt. Den habe ich nämlich sehr vermisst.
Kurz nach 6 Uhr erhebt sich die Sonne über die Wolkendecke und taucht die Landschaft rings um den Adam’s Peak in ein atemberaubend zartes Licht. Zuvor legten Malte und Amelie 4.800 Stufen während 3 Stunden und 15 Minuten Aufstiegszeit zurück.
Sonst war Sri Lanka toll. Ich konnte jeden Tag an den Strand gehen und im Meer baden. Wir haben auch aufregende Ausflüge gemacht. Am spannendsten war eine Wanderung mit meinem Papa. Wir sind auf den Adam’s Peak gestiegen. Das ist ein Berg, auf den 4800 Stufen heraufführen. Um 2 Uhr nachts liefen wir los, denn wir wollten zum Sonnenaufgang um 6 Uhr oben sein. Unterwegs wurde mir sehr schlecht, und ich musste mich übergeben. Wegen der Aufregung, der Anstrengung und der Kälte. Mein Papa wollte umkehren, aber ich wollte es unbedingt schaffen. Als wir zurück ins Hotel kamen, hatte sich herumgesprochen, dass ich durchgehalten hatte, und die Gäste haben mir applaudiert.
Ich wäre gern noch länger auf Sri Lanka geblieben, aber ich habe mich auch sehr gefreut meine Freunde wiederzusehen. In der Schule habe ich mich sehr gut wieder eingelebt. Ich war dank des Einzelunterrichts sogar weiter im Stoff als meine Schulkameraden und habe mich fast ein bisschen gelangweilt. Nächstes Jahr wollen meine Eltern, Smilla und ich wieder eine Reise machen, wahrscheinlich nach Nepal. Mein persönliches Traumziel ist aber Australien, wegen der Kängurus.“
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